Kinder

Die Schule beginnt – Mein 20.000€-Erstklässler

11. September 2017

Hurra, hurra die Schule brennt*, ähh kostet…

A, 12. September wird Sohn Nr 2 eingeschult. Seit nun einem Jahr freut sich das bisherige Vorschulkind darauf, am Ernst des Lebens nun auch teilhaben zu dürfen. Schließlich ging es in den letzten Kindergartenmonaten um nichts anderes als um „Ich kann das, denn ich komme bald in die Schule!“. Das Kind freut sich. Ich stöhne, ich ächze – denn dank Sohn Nr 1 weiß ich, was mich erwartet: Elternabende, verschimmelte Brotzeitboxen, verlorene Jacken,  unschön erweiteter Wortschatz. Zudem 179 Tage ohne Schule, an denen ich das Kind betreuen muss und sage und schreibe zusätzliche Kosten in Höhe von 20.000 Euro!!! Der Vorgeschmack auf die Ausgaben kam mit dem Kauf von Schulranzen, Erstausstattung (was ein lustiger Begriff ist, denn ich kaufe jedes Jahr diverse Stiftesets, Wasserfarbkästen und zahllose farbige Plastik-DIN-A-5-Umschläge…), Schultüte samt Inhalt. Das kostete mal ein Zehntel einer Rolex Lady Datejust…

We don’t need no education…*

Doch, leider tun wir das gerade schon. Denn Bildung ist Macht. Und Macht kostet eben. In diesem Fall übernehme ich die Kosten der Macht meines Sohnes. Eine aktuelle Idealo-Studie fand heraus, dass es in Bayern durchschnittlich 20.057,27 Euro kostet das Kind bis zum Abitur durchzubringen. Das sind allein die Kosten für die „Bildung“. Miete, Essen und Kleidung braucht der mächtige Eleve ja zusätzlich. Und dabei müssen wir ja an den Regelschulen nicht einmal Schulgeld bezahlen, denn Vater Staat übernimmt dankenswerterweise die Kosten. Dieser Vater Staat beteiligt sich immerhin mit 17,5 Milliarden Euro an der Ausbildung (Bundesfinanzministerium: Gesamtetat 2017 für Bildung und Forschung) – was 5,3% des Bundeshaushalts entspricht. Zum Vergleich: Der Etat für Arbeit und Soziales liegt bei 42,2%. Verteufelt überspitzt gesagt: Weil es so viel Arbeitslose gibt, bekommen die Schüler weniger Geld… Zusammenhang erkennbar? Ich polemisiere…

Die Lösung? Nie wieder Schule*?

Bei derzeit drei Kindern belaufen sich also die Schulausgaben auf rund 60.000Euro. Im Bestenfall. Nehmen wir mal die Eltern als Beispiel, dauert es bis zum Abitur länger als geplant und das nicht durchgehend auf einer staatlich finanzierten, öffentlichen Schule. Es wird also teuer. Da die Nachmittagsbetreuung mit knapp 8.000Euro pro Nase den größten Posten bildet, könnte ich aufhören zu arbeiten und selbst die kinderliche Versorgung übernehmen. Das würde mich dann auch in den Genuß des Bundesetats für Arbeit und Soziales bringen. Allerdings zweifele ich hier an meiner persönlichen Fähigkeit die Kinder pädagogisch sinnvoll betreuen zu können/zu wollen. Ich könnte auch Klassenfahrten verweigern, diese schlagen mit rund 3.000 Euro zu Buche. Doch dann beraube ich mich selbst der Chance ein Kind weniger -zumindest zeitweise- hüten zu müssen. Ich könnte auch jedes Kind einzeln in die entsprechende Einrichtung kutschieren, um Kosten für Bus oder Ähnliches zu vermeiden. Doch aufgrund der Kinderanzahl und der daher erforderlichen Kindersitze fahre ich eine Art Panzer, dessen Verbrauch ebenso teuer wäre – beziehungsweise den ich bald dank Diesel-Verordnung in München eh nicht mehr bewegen darf. Ebenfalls keine Option für Einsparung. Also bleibt folgende Lösung: Um Geld zu sparen kann nur ein Kind Abitur machen, die Anderen gehen arbeiten und finanzieren mit…

Eine andere Lösung wäre: Ich verabschiede mich von der Idee mir jemals eine teure Uhr selbst kaufen zu können und ermögliche meinen Kindern eine solide Ausbildung.  Diese nutzen dann ihre Macht so, dass sie ihrer Mutter eine teure Uhr als Dank für die jahrelangen Entbehrungen schenken. Jeder einzelne. Ergebnis: Die Kinder sind gebildet, Mami hat drei Uhren. Alle sind glücklich.

Also Kinder – Auf geht’s in die Schule!!!

*Passende Titel zum Schulstart von Extrabreit, Pink Floyd und Falco

 

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