Kinder

Die Wahl. Frau Merkel und das Kind. Wer ist die Zukunft?

22. September 2017

Das erste Mal (Wahl) tat’s noch weh…

Vor genau einem Jahr verbrachten wir eine großartige Auszeit in Miami. Dort durften-mussten wir auch Zeitzeugen eines Hurricans und der Wahl eines Trumps werden. Mein Sohn konnte in seiner dortigen Schule spielerisch Gundlagen des amerikanischen Wahlprinzip erlernen, denn dort fand kurz vor den Präsidentenwahlen -als „Wahlerziehung“- die Wahl der neuen Schulmaskottchen-Farben statt. Es wurde blau-gelb für den Schulpfau (peacock). Es wurde finsterschwarz für ein ganzes Land (Trump-cock…). Über den Ausgang der US-Wahl gibt es viele Mutmaßungen, ein Grund für den Trump-Sieg mag sein, dass viele viele viele Wahlberechtigte einfach KEINE Ahnung hatten, was sie mit ihren Stimmen anrichten können. Das Ergebnis stand und jeder -ja wirklich die ganze Welt- wunderte sich. Mein Sohn ist etwas traumatisiert von dieser ersten Wahl, die er bewusst mitbekommen hat. Am Sonntag wird er das zweite Mal Wahl, nun eben in seinem Heimatland, erfahren. Kann ein Neunjähriger das Alles verstehen? Was kann man einem Kind schon mitgeben in pucto bürgerlicher Selbstverantwortung?

Was wissen die Kinder denn von der Wahl?

Ich frage nach:

Mami: Am Sonntag ist Wahl. Ich darf einen neuen Chef wählen. Wer ist denn jetzt Chef von Deutschland und wen kann man wählen?
Der Neunjährige: In Führung liegt Angela Merkel vor Martin Schulz. Die Merkel ist auch jetzt Chef.
Mami: Ok – Merkel ist bekannt. Wer ist Chef von Bayern?
Der Sechsjährige: Manuel Neuer. Obwohl ich Thomas Müller besser finde.
Der Neunjährige: Herr Seehofer.
Der Sechsjährige: Weil der im Hof nämlich einen See hat.*

Kurzes Experiment: Wir machen Demokratie. Ich frage die Kinder was sie gerne hätten, wenn sie selbst über das Land bestimmen könnten. Daraufhin gründet der Sechsjährige die „1-Cent- für-ein-ganzes-Hochhaus-Partei“ (???), der Neunjährige die „kostenloses-Handy-für-alle-Kinder-Partei.“ Ich gründe zusammen mit einem immer wieder wiesnbedingt in meiner Wohnung anwesendem Erwachsenen die „Kinder-müssen-bedingungslos-folgen-Partei“.  Schnell stellen wir fest, dass die Erwachsenen aufgrund der Stimmenmehrheit alle Entscheidungen gewinnen. Der Neunjährige blitzgescheit „Dann gründen wir Kinder eben zusammen die ‚Kinder-bestimmen-über-die-Erwachsenen-Partei‘, mit der Schwester sind wir dann drei und gewinnen.“
Ich bin stolz: Der Neunjährige hat das Prinzip verstanden.

Wahl oder nicht Wahl – Politische Bildung bei Kindern

Es dauert noch mindestens zwei weitere Wahlen bis eines meiner Kinder wahlberechtigt sein wird. Dennoch wird es die Folgen der jetzigen Wahlen zu spüren bekommen. Daher finde ich es richtig und wichtig schon im Grundschulalter das Prinzip zu erklären und die Wichtigkeit der Mitbestimmung aufzuzeigen. Der politische Bildungsauftrag darf nicht allein an die Schule übergeben werden. Das lehrplanbedingte kurze Anschneiden von Politik reicht wohl kaum aus. Es gibt zahlreiche kindgerechte Bücher, die das Wahlsystem erklären, wie zum Beispiel WAS IST WAS: Deutschland. Land und Leute**. Für mich ist es wichtig, das generelle Verständnis für Demokratie und für die Möglichkeit der Mitgestaltung zu schulen. Und es ist mir wichtig aufzuzeigen, dass Parteien die mit dem Slogan „Neue Deutsche? Machen wir selbst!“ eben KEINE Alternative sind. Ich möchte, dass die Kinder wissen, dass sie Einfluß nehmen können und dass es lustige Gruppierungen wie die Magdeburger Gartenpartei oder die esoterischen Violetten -deren Partei-Wappen ist ein lila Schmetterling ist- gibt. Ach, Politik ist doch mehr als Merkel…
Der Sechsjährigen sagt, dass es am besten wäre, wenn jemand von Bayern der Chef von Deutschland wäre. Er will am Sonntag mit mir wählen gehen. Ob er den FC Bayern meint oder doch die CSU lassen wir mal dahingestellt…

In diesem Sinne: Erzieht Eure Kinder zu mündigen Bürgern, seid ein Vorbild und geht wählen! Ich zumindest bestimme gerne mit. Bei ALLEM…

 

*Der Sechsjährige meint das Prinz-Carl-Palais neben der bayerischen Staatskanzlei, das in der Tat einen kleinen See im Vorhof hat und offizieller Amtssitz von Herrn Seehofer ist.

**Der findige Mami und Gör-Leser erkennt, dass ich diese Buch vom Tessloff-Verlag geschenkt bekommen habe. DANKE!

Bildquelle: Welt am Sonntag

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2 Comments

  • Reply Anne 22. September 2017 at 11:49 am

    Schön gesagt, liebe Betti! Meine Kinder sind leider noch zu klein, aber die Demokratie zuhause werde ich trotzdem mal testen 🙂 gewählt haben wir auch schon per Brief. Liebe Grüße nach München!

    • Reply Mami und Gör 3. Oktober 2017 at 7:29 am

      Vielen Dank!! Jetzt müssen wir nach dem Wahlergebnis nur hoffen, dass alle gewählten Parteien auch die Demokratie verstehen… Liebe Grüße

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