Erwachsene

Frauen, neben denen wir uns schlecht fühlen (sollen)…

24. April 2017

Die weiblichen Emotionsvampire

In Hollywood gibt es Frauen, die scheinbar Alles haben – Top-Karriere, Top-Schönheit, Top-Mann, Top-Kinder – keine Sorgen. Blake Lively zum Beispiel. Stellt man sich daneben, könnte man sich schlecht fühlen. Aber jeder weiß: Das ist eben Hollywood. Auch hier gibt es ab und an auch Frauen, neben denen man sich schlecht fühlt. Doch anders als die Lively, sind diese nicht von unerreichbarer Schönheit, sondern von zu sehr erreichbarem Mißmut geprägt. Sie tun Einem nicht gut, sie geben keine positiven Impulse, um mehr zu erreichen, sondern ziehen einen runter. Sie saugen aus, sie fordern auf negative Art. Nun könnte man sagen: Vermeide die toxischen Frauen! Doch so einfach geht das nicht. Denn blöderweise sind sie unvermeidbar – als Kollegin, als Freundin einer Freundin, als Familienmitglied…

Die unterschiedlichen Arten der toxischen Frauen:

1. Die, die an ihren (Selbst-)Ansprüchen scheitert.

Schon beim ersten Treffen war klar, dass wir keine Freundinnen werden. Sie wurde mir aufgezwungen. Nach dem ersten Treffen hätte ich nicht mal mehr ihre Frisur beschreiben können, so uninteressant fand ich sie. Doch leider musste ich sie wiedertreffen. Nun kenne ich ihre Frisur: kurz, praktisch, keine Farbe. Ihre Make-Up: nicht vorhanden. Ihr Style: Benetton-Hosenanzüge in schwarz, dazu gerne mal eine adrette helle Bluse. Ihr Stil: Nicht vorhanden. Ihre Art: Verbissen. Ihr Grundsatz: Niemals lächeln – Emotionen sind etwas für Schwächlinge. Sie ist kinderlos, freundlos, freudlos. Sie sagt Dinge wie „Da hast Du Dich wohl mal wieder selbst überschätzt. Findest Du nicht?!“ oder „Echt, noch ein Kind – meinst Du, Du schaffst das überhaupt?“
Statt wahrer Freundinnen hat sie wahre Ansprüche. An sich selbst und an allen anderen. Diese Ansprüche müssen erfüllt werden. Tut man es nicht -was natürich immer der Fall ist- soll man sich schlecht fühlen. Ungenügend. Sie kann nicht verstehen, dass für Andere -also die Frauen mit den wirklichen Freundinnen, dem wirklichen Leben- andere Dinge wichtiger sind. Bollinger statt Bonuszahlung, pleasure-leisure statt performance-measure und eben auch Kinder statt Karriere. Sie hingegen lebt allein für ihren Job – sie ist zerfressen von Ehrgeiz. Ich hingegen hasse Geiz jeglicher Art. Zutiefst.
Ich könnte ihr vielleicht einmal eine wahre, anspruchsvolle „Freundin“ sein – ich würde sie zwangsumstylen, schminken, ihr Hemingway Champagne (Absinth+Schampus) einflößen und dann mit ihr ins Paradiso auf die Leuchttanzfläche gehen. Oder ich lass sie einfach weiterhin sie selbst sein, bin höflich, lächele ihre Kommentare weg und bedaure sie.

 

2. Die, deren Welt so so so schrecklich ist. Und alle sollen es wissen.

Nur ein kurzes Lächeln huscht beim Bussi-Bussi-Hallo über ihr Gesicht – dann kommt sie wieder, die traurigste Trauermiene. Ihr Mann hat sie verlassen. Wegen einer Anderen. Der Mann ist weg und hat jede Lebensfreude mitgenommen, der Schuft…  Da sie eine prä-pubertierende Tochter hat, will sie nicht arbeiten. Denn die Aufzucht eines Zehnjährigen ist trotz Nanny extremst anstrengend. Da sie nie etwas Wirkliches gelernt hat (früher war sie mal Model/ Stylistin), findet sie ja leider leider auch nie das Passende zum Arbeiten. Denn blöderweise werden eher Models um die 20 Jahre gesucht. Oder Models, die auch mal lächeln… Böse Welt. Aber zum Glück zahlt der treulose Trottel ja sehr sehr sehr viel Unterhalt. Dennoch geht es NIEMANDEM schlechter als ihr. Sie bedauert sich und erwartet von Allen bedauert zu werden. Gute Stimmung muss ihrem Weltschmerz weichen. Immer.
Ich würde sie so so gerne mal schütteln. Aber ich trau mich nicht, denn ich mir geht es ja so schon so gut. Also sitze ich ihr wieder einmal gegenüber und versuche ein ernstes Gesicht zu machen bis sie sagt: „Ach, ich wünschte ich hätte Dein Leben. Drei Kinder und eine Festanstellung. Du hast es ja so gut. Das ist echt so unfair.“ Dann nehme ich einen Schluck Weißwein und schüttel sie doch…

 

3. Die, die einfach immer provozieren will.

Sie ist mitte Dreißig und ist „anders“. Immer und immer wieder. Zum Abi trug sie noch Perlenohrringchen, mit dem Bachelor in „Gender Studies“ kam der Nasenring. Sie lebt noch immer „wider das Establishment“ ohne jedoch auf die Vorteile eben jenes verzichten zu wollen. Fast jede Bar ist ihr zu „schicki-lacki“, in jedem Café sind zu viele grenzdebile Latte-Macchiato-Mamis mit ihren lauten Schrazen. „Scheiss-viele Kinder. Nie was von Ressourcenendlichkeit und Überbevölkerung gehört oder was?“ Einladungen zu Festen wie Taufe oder Hochzeit nimmt sie nicht ohne den Kommentar „Ja klar, nur alle rein in die organisierte Religion! Weisst Du eigentlich wer die Hexenverbrennung angefangen hat?“ entgegen.
Wenn sie von Erlebtem erzählt, nutzt sie Wörter, die Samantha von Sex in the City erblassen lassen würden. Bei sämtlichen Gesprächen hebt sie ihren so anti-autoritären Zeigefinger und prangert unser Nichtstun bei (derzeit) unabänderbaren Dingen an „Stört es Euch nicht, dass der verfickte Trump nun auf den scheiß-roten Knopf drücken kann?“ Die Welt ist korrupt, die Welt ist schlecht, die Welt ist unfair. Und -wie ich finde- so vulgär. Selbst wenn sie dann und wann zum Nachdenken anregt, ist das Zusammensein mit ihr herausfordernd und anstrengend. Man fühlt sich immer wieder peinlich berührt – aufgrund der Wortwahl und der unverblümten Tatsachendarlegung. Freudiger Spaß geht anders… Dennoch laden wir sie ein. Dann sitzt sie am Sonntagmorgen an unserem spießigen Frühstückstisch, meine in pink (unvermeidbar, dazu bald mehr…) gehüllte Tochter auf dem Schoß hat und spreizt beim Trinken den kleinen Finger ab. Davon mache ich dann ein Bild und poste es auf Instagram. Ha, ich kann auch provozieren…

Doch dann gibt es auch die wirklich Guten…

Zum großen Glück gibt es aber auch die Frauen, die dafür sorgen, dass wir uns in ihrer Gegenwart immer gut fühlen – die wahren, wirklichen Freundinnen. Selbst wenn sie in anderen Städten oder gar auf anderen Kontinenten wohnen – sie sind da und sie sind perfekt. Dank ihnen übersteht man auch die unausweichlichen Schlechtwetterweiber – und man sieht die Sonne strahlen. An all die guten: VIELEN DANK DASS ES EUCH GIBT! Zum Glück seid Ihr so viel wichtiger als die Anderen…

Bildquelle: Artfucksme

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2 Comments

  • Reply Melanie 17. August 2017 at 6:39 am

    Wirklich toll geschrieben! Bin grad durch zufall auf deinen Blog gestossen und les mich grad quer durch
    Ich glaub jeder kennt diese Arten von Frauen, und hofft nicht selbst eine davon zu sein Man kann ihnen leider nicht immer aus dem Weg gehen, man kann nur versuchen sich emotional zu distanzieren. Anstrengend und energieraubend sind sie, mit etwas Abstand aber auch manchmal irgendwas zwischen amüsant und bemitleidenswert. Aber du hast recht, die „guten“ echten Freundinnen wiegen das auf und machen die anderen ertragbar. Und manchmal hoffe ich dass dann die positive Energie auch ihnen gut tut und sie sich ändern

    • Reply Mami und Gör 29. August 2017 at 3:04 pm

      Vielen lieben Dank! Ich war gerade mit meiner besten Freundin im Urlaub. Da weiß man, was man hat…

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