Erwachsene

Mami krank im Bett, Kind in der Kühltruhe. Vater überfordert?

28. November 2018

Mami und die Virenplage

Es ist wieder einmal so weit. Der Kopf brummt, der Nacken schmerzt, Viren rotten sich in Stirn- und Nasennebenhöhle zu einem grün-gelben Brei zusammen. Kälte schleicht sich -trotz voll aufgedrehter Heizöfen- langsam über den Steiß in den gesamten Körper. Jeder Schluck ist wie ein Messerstich. Mami ist krank.
Es kam plötzlich, aber nicht überraschend. Schnee nach sechs Monaten Sommer. Leichter Infekt seit Wiesnende. Vier Kinder, aufgeteilt in zwei Schulklassen, zwei Hortgruppen, einer Kindergarten- und einer Krippengruppe. Ergibt einen Direktkontakt zu 105 potentiell virenschleudernden fremdelterlichen Kindern pro Tag. Geht man davon aus, dass diese Kinder auch noch Geschwister in wiederum anderen Einrichtungen -mit anderen Virenstämmen- haben, die Eltern täglich öffentliche Verkehrmittel nutzen, ergibt sich daraus eigentlich nur das Wunder, dass ich überhaupt den Herbst überlebe.

Oh Schreck – Mami braucht RUHE

Eigentlich dürfen Mütter nicht krank sein. Doch an den maximal zwei Tagen im Jahr, die ich als Mutter ausfalle, falle ich komplett aus. Dann hilft nur noch Bettruhe. Ich brauche RUHE! Zuindest stundenweise. Mehr als ich die Erkältung fürchte, fürchtet der Rest der Familie die Auswirkungen der eingeforderten Ruhe. Sobald ich sage „Ich bin krank, ich muss mich hinlegen“ laufen die Gedanken Amok. Kinder: „Wer weiß, wo ich heute mein Fussballturnier habe? Wer sagt mir was ich einpacken muss?“. „Wer macht mir mein Toastbrot?“. „Was soll ich nochmals machen? Sind Hausaufgaben eigentlich wichtig?“ „Oh, Mami geht – ich heul‘ jetzt einfach mal los…“ Mann: „Wie kann ich so tun, als müsste ich am Samstag arbeiten?“.  Ich sehe in den Augen die blanke Angst hochsteigen.
Da ich auch im Krankheitsfall meine Familie liebe, gebe ich Überlebenstipps. Schriftlich. Es gibt ein zustimmendes Nicken. Ich gehe ins Schlafzimmer und sperre mich ein. Als Verbindung zur Außenwelt habe ich mein Handy.

Mami behält die Kontrolle. Papi verliert sie.

Das Handy erweist sich als bestes Mittel. Ich schaffe es, die Tochter für vier Stunden beim geliebten Carli unterzubringen. Die Söhne 1+2 dürfen sogar mit einem Freund zum FCB-Basketballspiel gehen. Also bleibt dem Mann als Schutzbefohlener nur das Baby. Und der Samstagseinkauf. Ein Klacks für jede Mutter. Der äußerst bemühte Vater geht ebenfalls vom Klacks aus. Das Baby und das bisschen Haushalt…
Insgesamt war ich rund vier Stunden unansprechbar. In der Zwischenzeit erinnerte ich durch SMS ans Abholen der Tochter, Zusätze zur Einkaufsliste, Essen fürs Baby, Wichtigkeit von Hausaufgaben. Dann ein Klopfen an der Tür. Die abgeholte Tochter. „Mami wir haben eingekauft und das Baby ist in der Kühltruhe!“ Ist es Fieberwahn? Ich stehe auf, öffne die Tür. Sie strahlt mich an. „Ja, aber er weint nicht mehr.“ sagt sie.

Mami und die Strafe Gottes

Angst und Bange. Habe ich den Mann überfordert? Hat er das Baby mit TK-Ware verwechselt? Warum schreit das Baby nicht mehr? Ich sehe den Mann. Mit Gläschen Weißwein unterhält er sich mit der lieben Basketball-Mitnehm-Mami. Das Baby lächelt. Es hat einen dunkelroten Fleck auf der Wange. Der Mann klärt auf: „Ja, der Wildfang fiel beim Einkaufen aus dem Kinderwagen in die Kühltruhe. Der bleibt einfach nicht sitzen! Und übrigens Alles vom Einkaufszettel habe ich nicht gefunden.“ Ach… Ich untersuche, ob das Baby komisch schaut. Kein Augendrehen, kein Übergeben. Dem Baby gehts gut. Die Tochter lacht. Die Freundin und der Mann prosten sich zu. Der Mann sagt „Du siehst ja wieder ganz fit aus. Ich geh dann heute Abend zum Männerhort. Dafür schlafen die Großen bei Martina.“ Ich überlege welche Reaktion nun angemessen wäre. Schreie? Schläge? Ich nehme einen Schluck seines Weißweins und danke „Super, dann sind heute Abend nur das Baby und die Tochter da…Du bist der Beste.“
Mit einem Kind in jedem Arm schlafe ich zu Kung-Fu-Panda 3 ein. Am Sonntag morgen geht es mir wieder gut. Die Kleinen schlummern lieblich neben mir. Ich schaue nach dem Mann und finde ihn dank wegweisender Schnarchgeräusche. Ich lache. Er wacht auf – angeschwollen-aufgedunsen auf dem Sofa. Die Haut rot und verfurcht.  Die Augen kaum erkennbar. Er hält seinen Kopf und stöhnt. Mein Virus und seine GinTonics haben sich in ihm gefunden… Ich verspreche ihm das Baby nicht in die Kühltruhe zu werfen.

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.