Erwachsene

Pokemon GO und die Hipster-Gamer-Vermischung

18. Juli 2016

Pokemon GO – Another „Big from Japan*“?

Das japanische Volk brachte uns schon so manch wunderbare Erfindung: Instantnudeln, Leuchtdioden, den  Reißverschluß, den Kassetten-Walkman oder auch den löslichen Kaffee. Neben all diesen Dingen initiierten die Japaner auch kleinere gesellschaftliche Umbrüche: Erfolgreiche Geschäftsmänner liegen sich betrunken in den Armen und grölen „Nothing else matters“ -von einem Bildschirm ablesend- in schummerigen Bars (= Karaoke). Teenager hüpfen in schuluniform-ähnliche Bonbonoutfits, zwirbeln bunten Kunsthaare und ziehen unechte Grimassen – oder verkleiden sich gleich gänzlich als ihre Lieblings-Manga-Figur (= Cosplay). Oder auch in puncto Sport. Eine japanische Sportart sorgte (kendo) für den aschenputtel-ähnlichen Aufstieg eines nordschwäbischen heavy-metal-liebenden Teenagers von der bäumenheimer Schmutterhalle auf ein heroisches Weltmeister-Siegespodest. Dadurch hatte sich sein Leben gewandelt: Es gab Zeiten, da hatte er nicht einmal einen Führerschein – heute hat er sogar ein Motorboot. Japan sei dank! Ja, die Japaner sind Antriebsfeder für Neuentwicklungen und für evolutionäre Prozesse. Und seit diesem Monat bringt ein neuer japanischer Spaß die Welt in Wallung: Erwachsene Menschen begeben sich im Freien auf die virtuelle Jagd nach kleinen Manga-Monstern. Die Revolution heißt: Pokemon GO!

Pokemon GO – Altes erschafft Neues

Mitte-Dreißiger starren auf ihr Smartphone, fuchteln und fluchen – soweit nichts Neues. In Augsburg gibt es nun gar die extra Bodenampeln für die sogenannten Smombies (= Smartphone-Zombis), die sich nicht mehr in der Lage sehen mittels einer aufrechten Körperhaltung eine Ampelschaltung zu erkennen. Die „Generation Kopf unten“ richtet die Augen stoisch auf den Bildschirm des Smartphones – auf dem Weg zum eigentlichen Ziel ist man kurz im WorldWideWeb… Ist bekannt. Auch nicht neu sind die Pokemons selbst – sie gab es schon als lustiges Viedeospiel in den Neuzigern. Das Neue ist nun, dass die Pokemons die Menschen dazu auffordern sich draußen gemäß der Monsterpositionen und Pokestopps-Vorgaben zu bewegen. Pokemon GO gibt den Weg vor – bisher starrte man auf SEINEM eigentlichen Weg zum Ziel auf das Handy. Nun ist es Pikachu oder Taubsi, die Einem sagen wo es lang geht. Draussen. Im Freien.

Die Revolution dank Pokemon GO – Der Gamer verlässt das Haus

Die harten Gamer der vergangenen Zeiten haben sich eine innerhäusliche Welt kreiert – autonom und isoliert. Die lebensnotwendigen Wege, zum Beispiel zum Kühlschrank und zur Toilette wurden aufwandtechnisch  durch Verschieben von Konsole und Screen optimiert, um ohne größeren Zeitverlust Final Fantasy oder Call of Duty zu spielen. Der Daddel-War-Room war die einzige Welt. Die Helligkeit der Sonne war der Feind. Der Körper wurde so eingestellt, dass er weitestgehend ohne frischen Sauerstoff, ohne Vitamin D und ohne Bewegung der unteren Gliedmaße auskam. Eigengerüchen störten nicht mehr. Der Geist wurde trainiert die Realität ins Videospiel zu verlagern, Interaktion mit Avartaren statt Menschen zu suchen und Ganzkörperertüchtigung im Freien als Teufelswerk zu betrachten. Sollte er sich mal doch außerhalb seiner Gaming-Welt aufhalten, war er einfach zu identifizieren: übergewichtig, unkontrolliertes Haar mit tiefem Pferdeschwanz, unreine Haut, dicke Brille. Aber:  Nicht-Gamer konnten ihn im öffentlichen Raum kaum sehen – denn er war nicht öffentlich. Das ändert sich nun: Der Pokemon-GO-Gamer geht raus.Er muss. Er sucht in der wirklichen Realität seine unwirklichen Monster. Die Gamer drängen sich zurück in die Realität. Ich kann sie sehen…

Auf einmal bemerke ich Menschen in meiner Nachbarschaft, die bislang nur Gerüchte waren. Menschen, die unkontrolliert stehen bleiben ihre Handys hochhalten sich im Kreis drehen und dann etwas wie „gotcha!“ rufen… Ein Gamer am Gärtnerplatz. Und nun die zweite Stufe der Revolution: Aus Nicht-Gamern werden Gamer! Durch die Freilassung der Nerd Gamer in die reelle Welt verwischen die Gruppierungs-Grenzen. Bisherige „Normalos“ können nun auch einfach zu Gamern werden. Ein Daddel-War-Room ist nicht mehr nötig. Das Smartphone reicht. Frische Luft und Bewegung sind erlaubt, gar gefordert. Die Sonne nicht länger der Feind. Pokemon GO sorgt dafür, dass die Sascha Lupps (Profi-Gamer) unter uns sich mit den Justin O’Sheas (Profi-Hipster) vermischen. Pokemon GO startet die Revolution!

Die Poke-Revolution und ich…

Ich bin ein großer Befürworter von Veränderungen. Und ja, auch hier bin ich dabei… Ich habe bislang höchstene Tetris auf einem Gameboy gespielt und nie verstanden, warum man hunderte von Euro in ein Viedeospiel trägt. Doch nun bin auch ich Teil der Revolution: Ich jage Pokemons! Zumindest, wenn der erver es zulässt… Ich bin dabei! Ich game – wie HIP!

*frei nach Alphaville

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3 Comments

  • Reply Ein Mutter-Tochter-Bussi. KISS IT LIKE BECKHAM! 22. Juli 2016 at 4:14 pm

    […] im Hype um Pokémon GO, Donald Trump und Mario Götzes reumütiger Rückkehr zum BVB gingen mir einige weltbewegende News […]

  • Reply Anna Tabbs 17. August 2016 at 12:31 pm

    Leuchtdioden und Reißverschlüsse sind leider keine japanischen Erfindungen…

    • Reply Mami und Gör 29. August 2016 at 9:32 am

      Tja, da irrt wohl der asienspiegel…https://asienspiegel.ch/2014/06/japans-grosste-erfindungen/. Danke für den Hinweis!
      Fakt aber ist, dass das japanische Unternehmen JKK der weltweite größte Produzent von Reißerschlüssen ist. Und dass der Japaner Satoshi Tajiri der Erfinder von Pokemon ist…

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