Erwachsene

Tierischer Vermenschlichung – Aber es ist und bleibt ein Hund !!!

21. Mai 2018

Die Vermenschlichung des kleinen Hundes

Ich habe vier Kinder. Keinen Hund, keine Katze. Für Letzteres gibt es viele Gründe: Stadtwohnung, Büroarbeitszeiten – der Fakt, dass ich seit rund zehn Jahren Pipi und Kaka von Anderen wegmache und auf mehr davon keine Lust habe. Also kein Hund. Katzen mag ich eh nicht – aus Prinzip. Als ich Kind war, hatten wir einen „Hund“ – Pugsley. Einen Terrier, der zugegebenermaßen sehr verwöhnt wurde, aber unser Hund war. Da mein Vater nur mit Töchtern und einer Ehefrau gesegnet war, bestand er beim Haustier auf ein männliches Geschlecht. Pugsley war also ein Rüde – niemals aber der Sohn, den Papi nie hatte. Niemals wären wir auf die Idee gekommen einen Kinderwagen oder eine Babytrage für unseren Hund zu kaufen. Niemals… Bis vor Kurzem wusste ich nicht, dass es Babytragen für Hunde gibt – doch letzte Woche habe ich es gesehen. Eine Dame mit Hund in Babytrage und ihre Freundin, eine Dame mit Hund im Kinderwagen… Die Vermenschlichung der kleinen Hunde – aus dem Nachfolger des Wolfes wurde ein kleines menschenähnliches Spieltier. Und auf einmal wirkt Paris Hilton mit ihrer Louis-Vuitton-Hundtasche ganz normal…

„Du hast vier Kinder? Ich kenn‘ das, ich hab‘ drei Katzen!“

Diesen Satz habe ich auf einer Veranstaltung gehört. Die Gute war im gleichen Job wie ich, ähnlich alt und musste auch kleineren Lebewesen ab und an etwas zum Essen und etwas Auslauf geben. Wir hatten also viel gemeinsam. Hunde, Katzen, Kinder – Jacke wie Hose. Der einzige Unterschied besteht wohl darin, dass meine Schützlinge hoffentlich mal den Notarzt rufen, wenn ich im Alter einen Schwächeanfall erleide und mir nicht die Augäpfel wegessen… Igitt, genug. Was lässt die Katzenbesitzerin glauben, dass Kinder und Katzen dassselbe sind? Warum gibt es Kinderwägen für Vierbeiner? Wer steckt seinen Hund in einen Tier-BabyBjörn?

Das große Geschäft mit der Vermenschlichung

Sicherlich ist es ein guter Test um eigene Verantwortungsbereitschaft oder den partnerlichen Willen zur Aufgabenteilung herauszufinden, wenn sich jemand einen kleinen Hund zuleget. Sicherlich ist es schön für alleinlebende Enddreißigerinnen, wenn zu Hause drei Katzen die einsame Stille wegschnurren. Tiere geben Liebe, zweifellos. Aber sowohl Hunde wie auch Katzen sind und bleiben eben Tiere. In meinen Augen ist es eine Perversion gesunde Hunde zu schieben oder gesunden Katzen Seealgenmehl zur Unterstützung der Pigmentierung zu geben. Hat die Natur vorgesehen, dass Felltiere Seealgen fressen? Warum also sollte man das Katzen geben? Ausser natürlich das Tier bat explizit darum. Natürlich weil es das Produkt in der Werbung gesehen hat. Der Haustiermarkt boomt – jährlich werden für Futter und Zubehör rund fünf Millarden Euro in Deutschland ausgegeben. Das schreit natürlich nach neuen Produkten und Konzepten. Also wird das Tier vermenschlicht, (soziodemographische Lücke – die studierte Frau bekommt immer weniger Kinder- erkannt!) um neues Absatzpotential zu schaffen. Noch mehr Vermenschlichung als Heimtiermärkte bieten Partneragenturen für Hunde – denn wenn sich Frauchen alle elf Sekunden online verlieben kann, warum nicht auch das Hündchen…

Das Tier im Tier, das Tier bei mir, das Tier in mir…

Auch bei uns war Pugsley ein Familienmitglied. Er wurde geliebt – als Hund. Ich finde es seltsam, wenn Frauchen ihren Hund vorstellt und sagt „Das ist mein Baby. Ich liebe ihn, so wie Du Deine Kinder liebst“. Drehen wir mal die Zeit weiter: Frauchen bekommt selbst ein Baby, wenn Hundchen drei Jahre alt ist. Bringt es dann dem neuen Baby bei, dass der Hund sein Geschwisterchen ist? Sagt Frauchen selbst: „Das sind meine beiden Kinder, Lumpi und Max-Emmanuel.“ Stellt sich das Kind dann bei der Einschulung vor und sagt: „Ich habe einen Bruder, der kann bellen?“ Oder wird dann das bisherige Baby -der Hund- plötzlich entbaby-siert und muss auf einmal doch nur Haustier sein? Oder behandelt Frauchen beide Babys gleich. Denn irgendjemand hatte ja auch schon die Idee Kinder an die Leine zu legen…
Darauf zurück komme ich ein anderes Mal…

Liebe Hundebesitzer, denkt daran, dass Euer Tier vom Wolf abstammt. Würdet Ihr Euch einen gesunden Wolf umschnallen? Liebt Euer Haustier so sehr, wie man es lieben kann. Aber lasst es das sein, was es eben ist – ein Tier… Dann liebt es Euch auch als die Menschen, die Ihr seid.

 

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2 Comments

  • Reply Kristin 21. Mai 2018 at 12:32 pm

    Also ich habe ja vier Kinder, drei Katzen und nicht mehr zwei sondern nur noch einen Hund ABER ich habe weder Wagen, noch Bauchtrage, noch Seealgenmehl. Weder für die Kinder (die sind zu groß für die beiden ersteren und zu mäkelig für letzteres!) noch für die Tiere. Das wirft jetzt natürlich einige Fragen auf und eventuell benötigen meine Tiere ja alle mal einen Tierpsychologen (gibt es nämlich auch) weil ich weder für adäquate Partner über eine Tierpartneragentur gesorgt habe (WTF?!!) noch sie gestillt habe (und oh ja, megaeklig, aber auch das gibt es!). Aber damit kann ich gut leben, denn ganz definitiv: es ist ein RIESIGER Unterschied ob man Kinder oder Tiere hat!

    • Reply Mami und Gör 22. Mai 2018 at 9:12 am

      Liebe Kristin, lieben Dank Du Menschen- und Tierfreund! Wieder etwas dazugelernt – ich wusste nicht, dass Menschen ihre Haustiere stillen (können)… Aber vielleicht ist mir deswegen mein Zwerghamster davongelaufen – er hat offenbar damals nicht genug Aufmerksamkeit von mir bekommen… Liebe Grüße!

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