Erwachsene

Trennung: Out with the Old! Traut Euch! Trennt Euch!

8. November 2017

Ein Jahr. Ein Rückblick. Eine Trennung?

Gegen Jahresende passiert immer das Gleiche: die Rückschau auf Vergangenes und der Plan für Künftiges. Nach der Wiesn kommt sehr schnell die „Zeit der Besinnung“. Mir fiel auf, dass in letzter Zeit viele Bloggerinnen schreiben, sie fühlten sich ausgebrannt; dass sie sich selbst sortieren wollen, sich selbst neu (er-)finden wollen. Dass sie alte Werte überdenken und mit bisherigen Gewohnheiten brechen wollen. Zugrunde liegt eine erkannte Unzufriedenheit mit dem Ist-Zustand. Es gilt etwas zu ändern. Doch was soll geändert werden? Was stoppt uns, was brauchen wir nicht mehr? Eine Eigenanalyse ist notwendig. Nicht nur bei denen, die es in ihrem Blog aussprechen. Also, besinnen wir uns mal auf uns und die „Dinge“, die wir nicht mehr brauchen. Dinge, Gewohnheiten, Menschen, die einer Trennung bedürfen.

Die Trennung von Dingen.

Wir leben in einer Zeit des Überflusses. Segen und Fluch. Niemals gab es so viele fette Kinder wie jetzt. Laut einer Studie zum „Welt-Adipositas-Tag“ (!!!!) sind fast 12 Prozent aller deutschen Jungs zu dick. Hauptschuld trägt der Mangel an Bewegung. Der wiederum resultiert aus dem Überflussangebot an digitalen Medien. Diese finden sich in Räumen, die ebenfalls voll des Überflüssigen sind. Noch nie zuvor fanden Bücher über das „richtige Ausmisten“ einen solch reißenden Absatz wie heute – Aufräumberühmtheit Marie Condo freut sich. Das Zuviel, das nicht glücklich macht, muss weg. Sich hier etwas Raum und Platz zu verschaffen ist nicht einfach, aber mit eiserner Disziplin änderbar: Abnehmen, raus an die frische Luft, feste Zeiten für Medienkonsum, bewußte Tagesplanung, Wohnung ausmisten. Erfordert Selbstkontrolle und Durchhaltevermögen, ist aber nicht allzu sehr kompliziert in der Methodik.

Die Trennung von Gewohnheiten.

Genauere Selbstanalyse erfordert es hingegen wenn man einer Sache überdrüssig ist. Wenn man nur weiß, so geht es nicht weiter – die genaue Ursache aber nicht kennt. Unsere Zeit des Überflusses fordert auch extrem; Kinder wollen versorgt, Arbeitgeber zufrieden gestellt, Freunde beachtet und Leser bedient werden. Der Anspruch an und von Einem wächst. Dann kommt der Puknt, an dem nichts mehr Freude bereitet. Das ist der Punkt, der nach Veränderung schreit. Substantieller Veränderung. Ehrliche Veränderung. Jeder Wandel erfordert Mut, aber er eröffnet neue Chancen. Das Weggeben einer Winterjacke ist eben einfacher als das Weggeben von gewohnten Gewohnheiten. Doch während eine alte Winterjacke vielleicht ein Platzräuber sein kann, können verpasste Chancen glatt ein Lebensfreuderäuber sein. Besser ist ein neuer Job, ein neues Laster, eine neue Tugend.

Die Trennung von Menschen.

Wohl eine der drastischten Veränderungen ist das Ende einer Beziehung – von Freunden oder dem Partner. Man muss sich eingestehen, dass man dereinst „die falsche Wahl“ getroffen hat. Bei der Trennung vom Partner muss man wohlmöglich den Kindern erklären, warum Papi und Mami nun in unterschiedlichen Wohnungen wohnen. Hier sind immer mehre als nur man selbst betroffen. Doch was gibt es als Alternative? Man bleibt zusammen, man bleibt miteinander über? Der Kinder wegen sich künftiges Unglücklichsein aufbürdet? Natürlich ist es bequemer, einer Trennung aus dem Weg zu gehen, zur Not indem man dem Partner einfach aus dem Weg geht. Doch wenn man mal es pragmatisch betrachtet, scheint die Wahrscheinlichkeit, dass zwei sich mitte Zwanzig treffen und eine gleich schnelle, gleich orientierte oder sich ergänzende Entwicklung bis Mitte vierzig durchmachen, doch ziemlich gering. Einer ist fast immer schneller, vom Leben fordernder, neugieriger als der andere. Früher hat man den Begriff „Lebensabschnitts-Gefährte“ belächelt, doch passt er nun viel besser als „Lebenspartner“. Dankenswerterweise gibt es nicht mehr so viele (finanzielle) Abhängigkeiten wie früher. Man kann sich entscheiden, man kann sich scheiden. Sicherlich nicht erstrebenswert, aber vielleicht bitter-ehrlich. Und sich selbst -dank einer Scheidung-  treu bleiben. (Eher als dem Anderen…)

Out with the Old – in with the NEW!

Das soll kein Plädoyer für Scheidung und Trennung sein (oder eine Befürwortung von Matthäus‘ Vielweiberei), sondern daran erinnern, dass man sein Leben selbst gestalten kann. Manchmal erfordert es tiefe Einschnitte, die Unsicherheit oder Schmerz mit sich bringen können. Doch keinerlei Veränderung bedeutet immer Stillstand – schmerzhaften Stillstand, weil Chancen verloren gehen können. Es gibt Milliarden von Männern, es gibt zahllose lebens- und entdeckenswerte Regionen, es gibt tausende Jobs auf der Welt. Es gibt so viele Möglichkeiten und Chancen sein Leben neu -glücklich- zu gestalten. Was es braucht ist Wille, Durchhaltevermögen und Mut. Dann ist selbst die schlimmste Trennung nur der Beginn von etwas tollem, selbst gestaltbarem Neuen. Jede Trennung bringt eine neue Freiheit mit sich. Im Schrank, im Job, in einer Beziehung, im Leben.

Man sollte nur aufpassen, dass das Neue nicht Liliana heißt…

Bildquelle: Der Loddar festgehalten von diananagler.com

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