Erwachsene, Kinder

Verschiedene Urlaubs-Syndrome – Erholung von Erholung bitte

30. August 2016

Auch mit eingepackt: Prä-Urlaubs-Syndrom, Urlaubs-Syndrom, Post-Urlaubs-Syndrom

Jedes Jahr wird gegen Ferienbeginn die gleichen Fragen gestellt. „Und, fahrt Ihr weg? (Hier wird erst gar keine Antwort abgewartet, denn die Frage war eh rhetorisch…) Wohin denn?“. Jedes Jahr gibt es von mir dieselbe Antwort: „Nach Menorca. Wie immer…“ Seit nunmehr 37 Jahren fahre ich in den Sommerferien nach Menorca, in das Ferienhaus meiner Eltern. Doch was nach ungestörtem Urlaub im eigenen Haus klingt, ist lediglich ein Tapetenwechselm zum eigentlichen Zuhause. Denn ich habe KEINEN Service. Ich putze, ich wasche, ich koche, ich spüle, ich räume. Bloß eben in Spanien. (Prä-Urlaubs-Syndrom: Oh Mann, ich wäre auch mal gerne im Hotel…) Zugegebenermaßen habe ich auch keine roten Engländer, die sich verdächtig lange an der im Wasser befindlichen Poolbar festklammern. Und keinen Clubtanz. Und kein bedrucktes Plastikarmband. Eigentlich geht es mir immer ganz gut, dort unten neben Malle…

Prä-Urlaubs-Syndrom

Im Gegensatz zu Mallorca wird die Insel Menorca sehr sehr selten angeflogen. Ein Ausweichen auf einen anderen Flug ist somit kaum möglich. Daher ist man der fliegenden Airline unmittelbar ausgeliefert. Dieses Mal zeigte uns die Airline ihre Machstellung mit einer fast fünfstündigen Verspätung. Dankenswerterweise wird man am Münchner Flughafen (zumindest bei dieser Airline) schon mit der Kofferaufgabe des Kinderwagens beraubt. Also schleppt man das Handgepäck von sich selbst und dem Kind Nr 3 -samt jenem Kind Nr 3- umher statt galant Alles mittels Buggy zu befördern. Als nun die Müdigkeit bei Kind 1, Kind 2 und Kind 3 einsetzte und es klar war, dass wir die nächsten vier Stunden im Wartebereich bleiben werden, war der Wunsch nach einem Kinderwagen noch größer. Auf meine Frage ob es denn möglich sei einen Kinderwagen zu besorgen, bekam ich von der Airline-Mitarbeiterin die Antwort „Ich musste früher auch meine Kinder überall hin tragen.“ Ja – ich wette sie fand das früher auch Scheiße! Mein dezenter Hinweis, dass gesellschaftliche Weiterentwicklung auch darauf basiert, dass man aus Fehlern lernt (Prä-Urlaubs-Syndrom: Genervtes Besserwissen), wurde von ihr nur mit einem fragenden Blick quittiert.

Urlaubs-Syndrom

Nachdem wir dann doch die Insel erreicht haben, die Koffern entpackt und die Körper ins Wasser geworfen haben, ging es aufwärts. Man wurde gelassen, frei, fast übermütig ob der strahlenden Sonne (Urlaubs-Syndrom). Dieser Übermut führte die Tochter wieder mal in die Klinik, wo wir mit den Worten „Wir kennen uns doch vom letzten Jahr“ begrüßt wurden. Nach spanischem, ärtzlichen Rat (die Zweijährige soll für die nächsten Tage das linke Knie nicht voll belasten…) ging es an den karibikähnlichen Strand (Urlaubs-Syndrom: man findet Alles toll…). Heute ist es offensichtlich ein Muss mit einem ganzen Hausstand, der ein mehrwöchiges Lagern erlauben würde, an den Strand zu kommen. Von hübschen, schnelltrocknenden Hamamtüchern, selbstkühlende Getränke und mundgerechten Snacks in Tupperdosen, Desinfektionstüchern und Verbandszeug, Ersatzwäsche für Alles und Alle, Süßwasserspray, Plastik zum Schaufeln, Rechen, Formen, Graben oder auch eine semi-professionelle Kinder-Schnorchelausrüstung ist Alles dabei. Zudem mehrere Sonnenschirme, denn Kind Nr 3 ist so hell, dass der Nebenmann sich noch vor den auf ihrem Körper reflektierenden Sonnenstrahlen schützen muss. Die töchterliche Hautfarbe brachte schon einige Inseleingeborene zum Ausschrei „Mira, el bebe – que super-blanco!“. Daher auch das „sandabweisende Sonnenspray“ mit LSF 50. Als ich klein war, war LSF 8 schon viel… Doch anscheinend gilt nun die Devise: Immer mehr… (Urlaubs-Syndrom – auch beim Einkaufen oder Alkohol zu erkennen)
Die Kombination von Übermut und „immer mehr“ -in diesem Falle Entdecken und Versuchen- führte auch zum zweimaligen Verschwinden von Kind Nr 2. Beim ersten Male fand ich ihn bei unserer rund 70-jährigen spanischen Nachbarin, deren Enkelkinder aufgrund der Einheirat einer Münchnerin zwar deutsch sprechen, sie aber nicht. Und weder die deutschsprechende Schwiegertochter noch die erhofften Enkelkinder waren anwesend. Dies störte aber Kind Nr 2 nicht – denn er spricht spanisch, denkt er. Zumindest konnte er die abuela für zwei Stunden mit seiner Fantasiesprache derart erfreuen, dass sie keine Anstalten machte ihn heimzuschicken. Als ich ihn dann fand, meinte sie das Kind sei sehr aufgeweckt und selbstbestimmt. Ich nehme das trotz ihres erkennbaren Wunsch nach mehr autoritärer Erziehung als Kompliment. Das zweite Mal als Kind Nr 2 verschwand, fand die inseltypische Fiesta (siehe Bild – es ist wild inmitten der Pferde…) statt. Hier wurde ich durchaus nervös als das Kind eine halbe Stunde in der Masse unauffindbar war – denn es spricht KEIN spanisch… Die nette policia local übergab uns nach Anruf unseren sehr zufriedenen Sohn, nicht ohne uns Eltern eine ordentliche Ansage in puncto Erziehungspflicht zu erteilen. Es stelle sich heraus, dass das blonde weinende Kind schnell als „nicht von hier“ erkannt wurde, und von einer spanischen Mami direkt zur Poizei gebracht wurde. In einem ernsten Gespräch warum man nicht weglaufen darf, stellte ich Kind Nr 2 die Frage was es nun gelernt habe: „Dass auch fremde Leute nett sind und mich immer abgeben.“

Post-Urlaubs-Syndrom

Nach gut zwei Wochen sind wir nun wieder zu Hause. Abgeflogen in Menorca bei 25°C, angekommen in München bei 28°C. Doch der Sonnenschein allein macht leider keinen Urlaub. Das töchterliche Knie muss nochmals untersucht werden, Kind Nr 1 muss für die Schule üben, Kind Nr 2 muss den besten Freund täglich sehen. Ich muss zwei Wochen ohne Internet aufholen und den überflutenden Posteingang abarbeiten. Und überhaupt arbeiten… Und ich muss wieder lernen, dass hier ein Bier auch ein Bier ist (San Miguel ist KEIN wirkliches Bier!!!) Und dass Gin Tonic in München kein Nationalgetränk ist. Und dass es hier auch bei schönsten Wetter nicht normal ist, wenn Kinder um 23.00h immer noch dabei sind.
Wenn das Alles abgearbeitet ist die Wiedereingewöhnung stattfand und der Posteingang leerer ist, bin ich wieder reif für Erholung. Gerne auch mal im Hotel… Dann denke ich einmal Hotel mit Kinderbetreuung und Service wäre auch schön. Einfach mal nichts tun – total entspannen… Und jedes Jahr freue ich mich, wenn wir wieder in unser Sommer-Zuhause nach Menorca fahren. Denn am schönsten ist es doch zu Hause…

 

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1 Comment

  • Reply Menorca - Für mich die beste Insel der Welt! - Mami und Goer 4. September 2017 at 12:00 pm

    […] muss.* Für mich ist die Insel mein Sommer-zu-Hause. Dort lebe ich alle Urlaubsyymptome aus. Ich liebe die sichere Sonne, die Eigenheiten der Menorquiner, die vielen versteckten sehr […]

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