Erwachsene

Von alten Menschen, die anscheinend niemals jung waren…

23. März 2017

„Oh Schreck, ein Kind“ denkt sich der alte Mensch…

Szene 1: „Wenn Du nicht gleich ruhig bist…“ – tönte es aus dem Mund einer Fremden dem Kind entgegen. Die älteren Dame fühlte sich offenbar von dem Vierjährigen in der U-Bahn gestört. Der Vierjährige hatte sein Kinn im Fenster abgelehnt, versuchte den Tunnellichtern hinterherzusehen und kommentierte jeden Lichtblitz mit einem „sssccchhh“. Zugegebenermaßen sah es ein bisschen gestört aus – aber wirklich gestört hat es keinen. Bis auf die Dame, die sich ihm gegenüber gesetzt hat – obwohl noch andere Plätze frei waren. Künstlich empört mahnte sie das Kind zum Stillsitzen und -sein. Sie führte ihren Satz fort mit „…dann muss Dich Deine Mutter bestrafen.“

Szene 2: Am Wochenende waren wir -zwei Mütter- mit vier kleinen Kindern im Biergarten. Der Biergatren ist per se ein Glücksort wo sich jeder mit jedem trifft. Zu uns gesellte sich ein älterer Herr mit blaugetönter Sonnenbrille, brauner Lederjacke, Rolex und einem Rottweiler-Mischling namens „Wolpi“ – ein unaufhörlichs Kopfschütteln in unserer Richtung folgte… Als der Fünfjährige ein Stück seiner Wurst zu Boden fallen ließ schnappte Wolpi berherzt zu. Das Kind fragte: „Was ist denn der Hund sonst so?“ Wolpis Herrchen antwortete mit finsterer Miene: „Alles, besonders gerne kleine Kinder!“ Die Dreijährige versteckte sich erschrocken hinter ihrer Mama…

Warum sind alte Menschen oft „zwider“?

Egal wie schlagfertig und mütterlich man die Situation zu retten versucht, die Frage im elterlichen Hirn bleibt: Musste das sein? Warum sollen sie sich vor einem „Wolpi“ und dessen Herrchen fürchten? Warum fühlen sich ältere Menschen oftmals so sehr von Kindern gestört? Leiden sie an Schmerzen und sind daher generell mißmütig? Sehen sie ihre eigene Vergänglichkeit, wenn junges Leben neben ihnen tobt? Ist der Erziehungsstil heutiger Eltern für sie unertragbar, da sie den Rohrstock gewohnt sind? Oder sind sie schlichtweg eifersüchtig, dass die ganz Kleinen die Aufmerksamkeit einst ihrer Kleinen von ihnen wegnehmen? Warum finden Senioren Kinder IMMER laut, während Kinder (zumindest anfangs) Senioren immer prima finden?

„Früher hätte es das nicht gegeben…“

Sicherlich gibt es die Traumomis und -opis. Die, die sich zerreissen würden eine weitere Generation groß zu ziehen. Aber es gibt eben auch häufig die, die lautstark zum Besten geben, dass sie die Anwesenheit von Kleinkindern stört. Dass sie erwarten, dass auf sie, die ältere Generation, die schon etwas geleistet hat, MEHR Rücksicht genommen wird, als auf die, die sich noch beweisen muss. Ist das gerechtfertigt? Gibt es einen Gerneralanspruch im Alter?
Es ist ein Teil des elterlichen Erziehungsauftrags Kindern Anstand und auch Respekt vorm Alter beizubringen. So sehe ich das. Ich finde es auch nicht schlimm, dass Kinder -kindgerecht!- von fremden Älteren ab und an für nerviges Verhalten gemaßregelt werden. Aber die Alten müssen verstehen, dass sich die Welt verändert hat und traditionelle Werte heute anders begriffen werden. Erziehung bedeutet nicht nur Strenge. Anstand bedeutet nicht nur Stillsein. Moral ist individuell und Tradition im Wandel. Und: Kinder kommen nicht einfach mehr so. Kinder sind gewollt – daher geliebt und nicht nur geduldet. Clash of Generations…

Ein Experiment – eine Gemeinsamkeit?

Doch gibt es wirklich vor Allem einen koventionsbedingten Graben zwischen den Generationen? Folgendes Experiment: Ein freies Feld. Auf der einen Seite: Eine Horde Vorschulkinder* – befüllt mit Cola, Pommes und einer Stunde Alvin und die Chipmunks (diese Stimmen…). Auf der anderen Seite: Rüstige Senioren, die Stille oder Fischer-Chöre (diese Stimmen…) schätzen. Jede Gruppe hat Wurfgeschosse. In Richtung Kinder wird es heißen: „Der von Euch, der nicht alt werden will…“ – in Richtung Senioren wird es heißen „Der von Euch, der niemals jung war…“ – „der werfe den ersten Stein!!“
Mal sehen wie viel Steine fliegen werden…

Und es wird klar: Es gibt sie doch, die Dinge die uns am Ende einfach ALLE nur zu Menschen machen…

 

*Ich unterstelle Vorschulkindern hier mal ein Mindestmaß an Verständnis, Intelligenz und Überlebenswillen…

 

Bidquelle: Kölner Stadtanzeiger

 

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1 Comment

  • Reply Tanja von Little-Post 24. März 2017 at 10:06 am

    Liebe Bettina,

    ein sehr gelungener Beitrag, ich frage mich auch oft, ob ältere Menschen vergessen haben, wie es ist jung zu sein oder ob sie sich aufregen um sich aufzuregen. Ein Beispiel: Ich bin mit meiner Kleinen Bus gefahren, sie wollte ganz vorne hinter dem Fahrer sitzen, des Rest war bis auf zwei Personen leer. An der nächsten Haltestelle steigt eine ältere Dame ein, die meinte, dass wir woanders hinsitzen müssten, weil das ihr Platz sei. Als ich ihr gesagt habe, dass der Bus sonst leer ist, hat sie laut zu schimpfen angefangen und auch nicht damit aufgehört bis wir ausgestiegen sind. Dabei wollte meine Kleine einfach nur vorne sitzen um herausschauen zu können. Verstehe ich nicht, warum man sich an so etwas stört.

    Liebe Grüße,
    Tanja

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