Entdecken, Mami fährt weg

Ich in Japan – Auf der Suche nach der Kirschblüte

19. Mai 2017

Japan und ich. Wie kommt’s?

Vor langer langer Zeit wohnte ich mit dem damaligen Vize-Weltmeister der japanischen Kampfsportart Kendo (=Schwertkampf) zusammen. Er war zwar kein Japaner, hatte jedoch eine große Vorliebe für Asiatisches und geriet schon beim Anblick dessen ins Schwärmen. Schon damals war ich fasziniert von seinen Geschichten über Japan, den Menschen, der Kultur. Er hatte tolle Geschichten – er war ein wahrer Japan(erinnen)-Liebhaber. Ich wollte „ähnliche“ Geschichten erleben und rund zwanzig Jahre später habe ich es geschafft und bin allein zu Freunden nach Japan geflogen. Es war beeindruckend, es war überraschend, es war toll. Ich war in einer Kultur, die ich nicht kannte, in einem Land dessen Bewohner mich nicht verstanden oder -wohlgemerkt aus Höflichkeit- nicht verstehen wollten. Es war ein Urlaub der anderen, wunderbaren Art.  Danke für die Inspiration, Jörg-Horst, Hengst von Asbach.

Konichiwa in Japan

Nach einem insgesamt fünfzehn Stunden dauernden Hinflug brauchte ich weitere vier Stunden um ins Hotel zu kommen. Immigration, Kofferchaos, NARITA Flughafen und Anstehen, um das schon bezahlte JR-Ticket abzuholen, forderten zeitlichen und physischen Tribut… Angekommen im Hotel Gracery (auf dessen Dach der echte Godzilla zur jeder vollen Stunde brüllt und Rauch speit) kurz frisch gemacht, auf zum Treffpunkt mit den Freunden. Die Beiden -er ist Japaner, sie Bayerin- eröffneten nach erfolgreicher Optikerausbildung in München vor rund drei Jahren in Tokio den einzigen Brillenladen, in welchem Optikermeister „Made in Germany“ höchst erfolgreich Qualitätsaugenware verkaufen. Äusserst weitsichtig… Sogar das deutsche Fernsehen berichtete… Der Treffpunkt war die Kreuzung in Shibuya, die meist frequentierte der Welt. Während ich versuchte nach dem Japaner mit der coolsten Brille Ausschau zu halten, war es für ihn einfach mich zu erkennen. Zusammen gingen wir um diverse Ecken, stiegen in einen kleinen, mit Japan-untypisch-dreckigem Teppich versehenen Aufzug und landeten in einem typischen Restaurant, wo wir hervorragend traditionell japanisch aßen. Ein perfekter Start! In der ersten Nacht schlief ich vierzehn Stunden. Ein äußerst perfekter Start…

Völlig erholt aß ich am nächsten Abend in der Nähe des Hotels frisch vor unseren Augen zubereitete Udon-Nudeln im kleinen Restaurant Metsu-dan. Dazu aus der buffetähnlichen Auslage sämtliche in Tempurateig frittierte Dinge, die ich erst beim Reinbeißen erkannte. Alles sehr lecker. Danach solperten wir noch auf Empfehlung in die ehemalige Stammkneipe eines Münchner Kochs, der vor einigen Jahren in Tokio sein Handwerk verbessert hat – es war ein Irish Pub (wie klischeehaft). Hier sahen wir wie aus zurückhaltenden jungen Japanerinnen dank vermehrtem Pintgenuß‘ sehr schnell wildgewordene Partyanimals wurden… Geschichten des Vize-Weltmeisters fielen mir ein…

Auf der Suche nach der Kirschblüte

Am nächsten Tag machten wir uns trotz Regens auf in den Yoyogi Park zum Meji-Schrein. Ich wollte die Kirschblüte sehen. Auf dem Weg dorthin fanden wir ein kleines Lokal, in dem wir am Eingang per Automaten unsere Bestellung aufgaben. Der Automat konnte nur japanisch – also gab es Überraschung. In Suppenform. Im Park selbst musste ich mal – öffentliche Toilette… Normalerweise versuche ich dies zu vermeiden, aber in diesem Park, in Tokio, gab es die sauberste, schönste, beste Toilette EVER. Aufgrund des Regens verbrachte ich einige Zeit im öffentlichen Klo, bevor wir den Weg fortsetzten. Erst der Schrein, dann das Tokio Girl Festival und dann den größten Manga-Shop der Welt. Die Kirschblüte war nicht da – es war noch zu kalt…

„Lost in Translation“

Am Abend erfüllte wir wieder ein Klischee, waren „Lost in Translation“ und aßen in der durch den gleichnamigen Film bekannt gewordenen New York Bar im Park Hyatt. Am Tag drei schien die Sonne und wir nutzten das um zu laufen, laufen, laufen und dadurch viel zu sehen. Wir landeten im Viertel Harajuku – berühmt durch die mangaähnlich gestylten Pubertierenden. Faszinierend. Wir fühlten uns geradezu angekommen und wagten ein kulinarisches Experiment in Form von auch hier bekannten Teriyaki-Spießchen. Zwar hier bekannt, aber dort anders… Es gab Herz, Magen, Leber, Haut – alles vom Huhn, alles extrem gut, wenn man sich drauf einlässt. Spät abends besuchten wir die beste Show der Welt – die ROBOT-Show. Laut, schrill, bunt, hysterisch, japanisch. Unglaublich. Um Mitternacht gönnten wir uns noch Gyoza in einem kleinen Laden, der für Pferdefleisch bekannt ist.

Von Tokio nach Kyoto – dort haben wie sie gefunden…

Mit ca 360km/h rasten wir im Shinkansen von Tokio nach Kyoto. Obwohl der durchschnittliche Japaner kleiner gewachsen ist als der durchschnittliche Deutsche, bietet der Shinkansen viel viel mehr Freiheit im Beinraum als der ICE. Japanisches Zugfahren ist schnell, bequem, pünktlich! Nach schnellem Check-In im Hotel Mitsui Garden fanden wir sie endlich im Park der Nijo-Burg: die Kirschbüte! HANAMI. Wunderschön, stark duftend, geradezu betörend… Zur Belohnung klebten wir uns die Tattoos ab und gingen in einen Onsen. In Kyoto war auffallend, dass sehr viele Kinder auf Fahrrädern transportiert wurden, alles sehr gemächlich läuft und zahlreiche Damen im traditionellen Kimono unterwegs waren. Ganz anders als in Tokio. Kyoto ist wesentlich kleiner, wesentlich traditioneller, wesentlich konzentrierter als Tokio. Viele Restaurants reihen sich in die Pontochu Alley – einer Touristen-Fressgasse. Mit etwas Glück gelangt man jedoch auch hier in die traditionelleren Etablissements und kann wunderbarst essen.

Zurück nach Tokio

Kaum wieder in Tokio, standen wir wieder im Regen. Wir hatten das Hotel gewechselt und waren nun im Shinjuku Granbell – ganz oben… Was fehlte uns noch? Natürlich die obligatorische Busfahrt mit dem hop-on-hop-off-Bus. I LOVE IT! Bei der Rundfahrt wurde klar: Tokio hat wenige traditionelle Gebäude. Mehr als 50% der Stadtfläche wurde durch Bomben im 2. Weltkrieg zerstört. Es hat keinen Charme wie (Teile von) Paris, keine Aufbruchstimmung wie Stockholm, keine Tradition wie Kyoto – es ist sehr eigen. Architektonisch wie emotional. Es ist Tokio.

Das Fazit aus Japan: Mehr als Sushi…

Für Reisen mit (drei) Kindern finde ich es anstrengend, voll. Zuviel. Dennoch gibt es nirgendwo auf der Welt sauberere Straßen und schönere öffentliche Toiletten. Der Japaner verweigert oftmals das Gespräch – aus Höflichkeit, möchte er den ausländischen Gast nicht mit seinem vermeintlich schlechtem Englisch verschrecken. Eine gute vorab-Weg-Planung ist sinnvoll. Oder ein günstiger Roaming-Vertrag. Man kann so gut wie niemals etwas falsch machen beim Essen. Selbst das seltsamste Essen in Japan in besser als das weniger seltsam erscheinende japanische Essen in Deutschland. Man muss sich eben trauen. Ich werde mich bestimmt nochmals trauen. どうもありがとう, Dōmo arigatō.

 

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