Kinder

Nun 4. Klasse: „Wir klagen uns aufs Gymnasium!“

12. September 2018

Mein Weg von der Grundschule auf das Gymnasium

Ich war auf dem Gymnasium. Die Entscheidung dort hinzugehen fällten meine Eltern, Die Entscheidung dort mit Latein anzufangen, fällten meine Eltern. Ich hatte keine Idee was humanistische Bildung bedeutet, welche Studiengänge das große Latinum erfordern oder grundsätzlich was ich werden will. Denn ich war neun Jahre alt. Mit 16 Jahren stellte sich heraus, dass ich weder die volle humanistische Bildung haben werde, noch den von meinen Eltern bevorzugten Studiengang zum Erhalt der Familientradition studieren werde. Letzenendes musste ich gar das Gymnasium wechseln und „irgendwie“ das Abitur bestehen – es endete „auf privat“… Ich kenn mich also aus mit elterlich aufgebürdetem Bildungsweg…

Der Sohn, die Lehrerin, die Schule…

Der Sohn ist nun ein Viertklässler. Schon seit rund einem Jahr herrscht Kampfbereitschaft und Siegeswille bei anderen Eltern ob das Kind den Übertritt ins Gymnasium schaffen würde. Mein Sohn ist davon unberührt. Er nimmt die Notenerklärung sehr wörtlich und findet ein „ausreichend“ eben durchaus „ausreichend“. Noch erschließt sich ihm nicht der Sinn durch Mehraufwand ein „gut“ zu bekommen. Denn daheim gibt es dafür kein Geschenk.  Auf Nachfrage ob bessere Noten nicht generell besser seien findet er, es sei genug in der vierten Klasse von September bis zum Übertrittszeugnis etwas mehr Leistung in Deutsch, Mathe und Heimat- und Sachunterricht zu bringen. Danach dürfe wieder Fussball auf Interessensplatz eins liegen. Grundsätzlich lobe ich eine realistische, effiziente Einstellung.
Ich gehe zweimal im Jahr zur Lehrerin, um mich um die schulischen Belange des Sohnes zu informieren. Sie ist der Meinung, dass es eines konstanten Mehraufwands bedarf, um die Ansprüche der weiterführenden Schulen zu erfüllen und es Teil der Allgemeinbildung sei ein Birkenblatt von einem Lindenblatt zu unterscheiden. Es würde nicht reichen alle WM-Spieler zu kennen. Und schließlich ginge es ja um den Übertritt und das ganze weitere Leben…

…der Übertritt – und ich

Ich denke, dass mein Sohn ziemlich schlau ist, ich denke, dass nicht jedes Kind aufs Gymnasium muss, ich denke, dass jedes Kind möglichst lange Kind sein muss. Wenn mein Kind aufs Gymnasium will, dann soll es, solange er es von selbst und ohne erwachsenes Zutun schafft. Wenn mein Kind auf die Realschule will, dann soll es. Ich finde es gibt zu wenig gute Schreiner und zu viele schlechte BWL’er. Was ich nicht tun werde, ist gute Noten für mein Kind zu erklagen oder den Übertritt gerichtlich durchzusetzen.

Gymnasium: So viele Klagen, keine Antworten…

Warum klagen so viele Eltern? Ja, es sind viele. Just am Wochenende erzählte mir eine Grundschullehrerin, dass in ihrer Schule die Lehrer zur dritten und vierten Klasse immer wechseln, weil die Klageflut der Eltern überhand nimmt. Die Dokumentation der Kindesleistung -somit die Absicherung der Lehrer gegenüber klagewütiger Eltern- nimmt fast so viel Zeit in Anspruch wie die Vorbereitung auf, beziehungsweise der Unterricht selbst. Man stelle sich vor, die Lehrerin hätte mehr Zeit auf einzelne Kinder einzugehen… Es gibt die, die jeden Weg nehmen werden, das Kind in ein renommiertes Gymnasium in der Münchner Altstadt zu bekommen. Ich kenne sie. Dann sitzt das Kind dort, kapiert nichts, ist das „Klagekind“. Und klagt seinerseits die Eltern an, warum man ihm das angetan habe; nämlich damit die Eltern kurz glänzen können, die Brut ist „natürlich auf dem Wilhelms“.  Dann kommt Nachhilfe, dann Internat, dann eventuell eine russische Privatuni in London. Dann arbeitet der teuer schlecht ausgebildete Nachwuchs in der familieneigenen Immobilienverwaltung oder macht irgendwas im Marketing in Papis Firma. Kennt man doch…

Gymnasium oder nicht Gymnasium? KIND!!!

Ich bleibe entspannt. Sollte das Kind keine plötzliche Lernwut entwickeln, geht es nicht aufs Gymnasium. Ich will nicht jeden Tag mit ihm lernen müssen, er soll nicht unglücklich, überfordert, überdrückt sein, es gibt den zweiten Bildungsweg und Lehrberuf ist Ehrberuf. Das Wichtigste ist aber er soll Kind bleiben. Ohne Druck. Denn noch ist er so schön Kind und unschuldig…
Gestern, am ersten Schultag kam er nach Hause und erzählte am Ende dieses Schuljahres wird’s peinlich, denn da bekommt er eine Sexualurkunde. Dafür liebe ich ihn so sehr. Er nimmt’s nicht so genau: Urkunde – Kunde – same, same…

Aber eines ist klar: Wenn er nicht mindestens eine Sexual-SIEGER-Urkunde bekommt, werde ich klagen!!!

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