Kinder

Corona-Schulstart: Regelverwirrung, Diktatoreneltern und Ferienwunsch

15. September 2020
Schultüte zum Schulstart mit Mund-Nasen-Schutz-Masken als Inhalt

Krippen-Kindergarten-Schulstart 2020

Vor einer Woche ging es wieder los – angeblich „ganz normal“ im neuen Normal. Doch was ist schon „normal“? Die vier Kinder gehen in SECHS verschiedene Einrichtungen. Ein bisschen etwas Staatliches, etwas Kirchliches und auch etwas Privates – Alles dabei. Und -SURPRISE- jede Einrichtung hat andere Regeln… Da gibt es die, die sich an das RKI halten, die, die einfach mal ein bisschen strenger sind und die, die nach Gusto agieren. Und alle die, die die Regeln wöchentlich ändern. So wie im Übrigen auch die Obrigkeit das tut.* Kultusministerium, Gesundheitsministerium, Familienministerium, Innenministerium, Lokalbehörden, Träger, Schuldirektoren, Lehrer und Dr Drosten – alle haben eine Vorstellung von Machbarkeit und Sinnhaftigkeit. Und am Ende weiß vor lauter Vorstellungen keiner mehr, was wirklich vorne hin und hinten ran gestellt werden darf…

Wenn Eltern Regeln neu erfinden

Beim Zwölfjährigen sind die Regeln zum Schulstart klar. Neu ist hingegen, dass die Kinder bitte ihre eigenen iPads zur Schule bringen sollen. Der Ruf nach digitaler Kompetenz ist lauter denn je, da kann man schon mal davon ausgehen, dass jeder Sechsklässler ein eigenes Tablet hat, oder? Beim Neunjährigen wabern die Regeln noch bis zum ersten Elternabend, der findet heute statt. Denn offenbar können in seiner Grundschule einige wenige Eltern die Schulregeln bestimmen. Geschah in letzte Woche am Beispiel „dürfen die Kinder in der zehn-Minuten-Pause LOGO schauen und dann mit der Lehrerin darüber sprechen?“. Hat zwar nur am Rande etwas mit Corona zu tun, zeigt aber elterlichen Kontrollwahn, der durch Corona noch verschlimmert wurde. Einige Eltern einiger Viertklässler verweigern trotz durch Corona aufgezeigter Digital-Notwendigkeit ihren Kindern jeglichen Umgang mit Medien. Medien sind böse, denn unter Umständen zeigen sie, dass die Welt nicht nur lieb ist. Sie verbieten ihren wahrscheinlich ungeimpften Persephones und Taminos den Zugang zu Weltnachrichten. Es reicht ja, wenn sie wissen zu welcher Mondphase man am Besten die Fingernägel schneidet, dass die Rosen dank der verbuddelten Plazenta so schön blühen oder wie Mutter dank Kraftkette ihre Ur-Weiblichkeit wiederfindet. Vielleicht hat klein-Matt-Eagles Mutter auch einfach selbst zu viel Angst vor der wirklichen Welt und noch mehr davor, dass ihr Kind die Welt vor ihr versteht… Und ja, die Namen gibt es wirklich!
Nun steht also ein Elternabend an, auf welchem nicht nur die Corona-Regaln, sondern auch das Einmisch-Potenzial von Eltern besprochen werden muss. Klar ist offenbar, dass die einige Eltern der Kompetenz der durchaus erfahrenen Lehrerin genauso wenig trauen wie den Medien. Manchmal tun mir Lehrer leid…

Schulstart mit der „Roten Phase“

Im Kindergarten und in der Krippe gelten trägerbedingt unterschiedliche Gesetze – genauso wie im Staate und in der Kirche unterschiedliche Gesetze gelten. Gebote sind keine Verbote, Richtlinien sind keine Doktrine, manche brauche länger für den Fortschritt und Verständnis…Als erstes bekam ich vom Kindergarten den Warnhinweise „Rote Phase“, denn München näherte sich einem kritischen Inzidenzwert. Rote Phasen bringen einfach Alles durcheinander. Im Endeffekt werde ich schon mal prophylaktisch darauf hingewiesen, dass vielleicht ab bald schon wieder alle Kinder zu Hause bleiben müssen. Oder nur ein Teil der Kinder – oder nur die Eltern – oder nur ein Elternteil mit einem Kind. Wer weiß das schon?
Bei den Fussballvereinen gelten ebenfalls unterschiedliche Regeln. Sohn 1 darf Testspiele spielen, Sohn 2 nicht. Ballett findet für die Tochter immer noch nicht statt, weil das Studio in einem schwer belüftbaren Keller (!!!) ist, der Schwimmkurs wartet auch noch auf Schwimmbadfreigabe. Das Baby hat noch kein Sportprogramm.

Elternbriefe, WhatsApp-Chats, Mailhinweise, Anrufe…

In dieser ersten Woche nach Schulstart habe ich eine Flut an E-Mails, an gedruckten Elternbriefen, an WhatsApp-Warnhinweise, an Fußballverband-Richtlinien, an Allem bekommen. Ich habe Alles brav gelesen, unterschrieben, zurückgegeben. Nun bin ich verwirrt, überfordert und habe keine Lust mehr, keine Lust mehr auf Elternkorrespondenz und auf mehr Corona-Verwirrung… Es ist viel, zu viel – und ich bin schon froh, wenn ich morgens die richtigen Kinder in den richtigen Einrichtungen mit dem richtigen Mund-Nasen-Schutz zu den richtigen Zeiten abgeben kann.

Ich glaube, ich brauche Ferien.

PS: Ja, ich darf wieder bloggen. Die Unterlassung unterlässt nicht mehr: Ich darf meinen Namen oder Teile davon nutzen. Doch nicht nur ich – jetzt darf Jeder wieder „Gör“ und „Witz“ sagen. So ein Glück, das war ja mega-knapp…

*Beispiel Regel-Konfusion: Seit Freitag gilt laut Stadtverordnung ein Alkoholverbot vor meiner Haustüre… Das galt schon mal, dann nicht mehr, nun doch wieder…

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