Erwachsene

Cock-down im Lockdown? Die Liebe in Zeiten der Corona…

9. November 2020
zwei Küssende als Zeichen für nicht existenten Cock-down im Lockdown

Wie kann es sich lieben in einer Pandemie?

Zuerst bitte „Pardon my French“, aber Cock-Down im Lockdown klingt so gut… Ich weiß, man sagt das nicht als Dame/ vierfache Mutter/ Tochter…
Aber es ist ein Thema. Wie läuft das Liebesleben im Lockdown? Ist bei Paaren ist eine Übernähe vorhanden? Gibt es bei Singles eine Über-Einsamkeit… Wie läuft ein Kennenlernen ohne Bars, Clubs, Restaurants, Fitness-Studios, Univeritäts-Hörsälen, Urlaubsreisen, wie läuft es im Home-Office? Wie viel Partner kann man während eines Lockdowns aushalten? Wie lange sieht man den Partner noch als ansprechenden, anziehenden Liebespartner, wenn Diese/r nur noch in co-ord Joggingoutfits umherschlurft? Gibt es in Zeiten der Corona eine ähnliche Liebe, die Gabriel Garcia Marquez zu Zeiten der Cholera erlebte?

Das Liebesleben als Single. Cock-Up oder Cock-Down????

Bei meinen Single-Freundinnen herrscht Aufruhr. Die meisten haben Kinder, die meisten haben schon zuvor ihre potentiellen Neupartner nicht mehr in Clubs oder in Hörsälen kennengelernt. Das Alter. Also gingen sie online. Einige sind schon länger äußerst stolze Nutzerinnen von Tinder, nach dem Motto “Tinder trotz Kinder!“ Aber dennoch hat die Pandemie auch ihr Partner(Börse)-Nutzungsverhalten massiv geändert. Zwar sind sie “pre-pandemic professionals“ bei Onlinevermittlern, aber Corona hat das Kennenlernen auch für sie neu definiert. Die ersten Begegnung mit einem Kandidaten war ein Spaziergang. Die zweite bis zehnte Begegnung war ebenfalls ein Spaziergang. Bei Einigen führten diese Spaziergänge schneller als zuvor ins Schlafzimmer. Bei Anderen spazierten die potentiellen Partner direkt wieder aus dem Sinn. Ein „normales Kennenlernen“ ist im neuen Normal nicht möglich. Entweder es geht ganz schnell mit dem vorsichtigen Herantasten oder ganz gar nicht… Hier spielt auch das Alter eine Rolle. Die „Älteren“ schrieben sich deutlich länger bis zum ersten Treffen, man kannte sich quasi schon, dann erst Video-Date, dann erst der Spaziergang. Die Jüngeren sahen es bisweilen als Covid-Bewältigungstherapie sich schnell zu treffen, sich schnell nahe zu kommen, gar schnell zu kommen… Es gibt also eine Kluft bei den Singles. Die schon immer Schnellen wurden schneller, die schon immer Bedachten wurden noch bedachter.

Der Single als Covid-Sex-Gewinner?

Ich habe das Gefühl, dass sich manch Eine/r schneller ausserhalb der Regel verhält als zu normaleren Zeiten. Einfach auch, weil er/sie sich an so viele Regeln im „Nicht-Liebes-Leben“ halten muss, dass eben das Liebesleben neue “regel-befreite“ Formen annehmen soll. Der/Die online vermittelte Corona-Freund/in ist eine neue Form des Partners. Der „optimale Corona-Freund“ bietet nette Gespräche auf Distanz und guten Sex, wenn er denn mal in der Nähe ist. Er lässt sich an- und ausschalten, ab und an kommt es zu geplanten Stelldich(r)eins. Plötzliche Regeländerungen von Markus und Angela lassen keine Routine wie „wir sehen uns alle zwei Wochen“ aufkommen. Es klingt ganz gut. Es klingt nach planbarem Sex, es klingt nach Gewinn… Aber was kommt nach dem Sex?
Kann ein Corona-Freund die Pandemie überdauern? Wie lange kann man die Kinder raushalten? Kann aus einem beziehungstechnischen „new normal“ jemals ein „totally normal“ werden? Wie kann es sein, wenn aus dem Corona-Freund DER Freund wird? Ist die Pandemie und das „anders“ gerade ein Schutz vor einem „nicht mehr anders“?
Fakt ist, dass die Zahl der Tinder-Nutzer von März bis Juni um knapp 20 Prozent stieg und insgesamt mehr als 10 Millionen Nutzer registriert waren. Der Aktienkurs der Match Group zu der neben Tinder auch Match.com oder neu.de gehören kletterte auf Rekordhöhe. Wenn ich schon nicht sagen kann, ob der Single ein Liebesleben-Gewinner ist, ist es zumindest klar, dass die Singlebörse ein klarer Sieger ist.

Die Corona-Krise als Paar

„Wie meinst Krise, Spatzl?“

Monaco Franze

Ein Mann und eine Frau. Eine Wohnung. Zwei Home-Office-Arbeitsplätze. Nähe. NÄHE. Jeden Tag… Der Mann an meiner Seite und ich arbeiten im Abstand von rund acht Metern. Wenn wir wollen, trennen uns zwei Türen. Wenn ich will, trennen uns ganze Welten. Seit März ist dies unser Alltag – in diesem Alltag hat sich jeder kleine Routinen geschaffen. Die des Mannes beinhalten ab und an „Dr Quincy“, meine Pamela Reif. Die beständigste Routine ist, dass wir uns nicht bürokonform kleiden. Wir versuchen dennoch immer etwas Abwechslung in unsere Arbeitstags-Routine zu bringen. Ich für meinen Teil wechsele zwischen einfarbigen Jogginghosen und bunt bedruckten Palazzohosen, zwischen UGG-Schlappen und Birkenstocks. Der Mann überrascht manchmal mit einer Rasur. Ich gelegentlich auch. Wir sind routiniert in unserem Leben, in unserem gemeinsamen Leben. Wir kommen uns nie in die Quere, aber es gibt das Gefühl, dass „der/die Andere“ immer da ist… Bis auf die notwendigen Erledigungen wie Kinderabholen oder Lebensmitteleinkauf sind wir zusammen. Während die Corona für die einen Social Distancing bringt, bringt sie für die andern Physical Overexposure.

Macht die Nähe sexy?

Der Mann an meiner Seite ist immer noch sexy. Finde ich. Und ich mag es, wenn wir zusammen sind. Auch, wenn wir viel zusammen sind. Was ich bemerkt habe, ist, dass ich es in der Tat sexy finde, wenn er bei seinen beruflichen Telefonaten ganz seriös, manchmal gar autoritär auftritt. Diese Seite kannte ich nicht. Ich entdecke Neues an ihm. Ich gebe ihm auch täglich die Chance Neues an mir zu entdecken. Sofern ich keine Video-Termine habe, schminke ich mich nicht. Fast jeden Tag erzählt mein Gesicht daher etwas Neues. Manchmal: du hast schon wieder auf Deinem Noise-Cancellation-Headphone-Kabel geschlafen. Du hast gestern zu wenig/zu viel getrunken. Du solltest Deine Schutzmasken öfters waschen. Du bist über vierzig…
Doch all die Falten, Linien, Pickel, Striemen scheinen den Mann an meiner Siete nicht zu stören. Er liebt mich dennoch. Und trotz der ständigen Nähe. Auch das habe ich wieder entdeckt. Und ich liebe es.
Sind Paare nun Corona-Liebes-Gewinner? Ich denke wir sind es. Wir haben festgestellt, dass wir den Anderen fast immer um uns haben wollen/können. Sind wir als Paar nun Sex-Gewinner? Nun, wir haben mehr Zeit zu zweit…

Single oder Paare – wer liebt nun besser in Zeiten der Corona? Das Wichtigste ist wohl, dass wir es nicht verlernen UNS SELBST zu Zeiten der Corona zu lieben. Dann liebt es sich auch die Anderen leichter. Vor, nach und während einer Krise…

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.