Erwachsene

Mami und Gör wird grün!

3. Januar 2020
Die Autorin von Mami und Gör sitzt auf einem türlisen Korbstuhl. Sie trägt eine weiße Bluse. Vor ihr das Grün einer Palme.

Warum werde ich grün?

Manch Einer wird grün vor Neid. Da kenn ich so manch Eine… Manch Einer wird grün vor Übelkeit. Auch gesehen an Silvester… Ich aber werde grün aus Überzeugung. Ich möchte etwas grüner essen, etwas grüner reisen, etwas grüner kaufen, etwas grüner leben. Meine Welt soll grüner werden. Die Welt meiner Kinder soll viel grüner werden. Nachhaltiger. Beständiger. Natürlicher.
Und ja, ich gebe zu: Aus mir wird keine Greta. Weder möchte ich vegan leben, noch möchte ich auf Make-Up verzichten oder Selbstgestricktes tragen. Ich möchte aber etwas ändern. Und das kann ich, ohne direkt die ökodiktatorische Peitsche schwingen zu müssen.

Wie werde ich nun grün?

In kleinen Schritten werde ich nun Alles etwas nachhaltiger gestalten. Schrittweise, sodass es ganz normal wirkt und keinen erschreckt… Nachhaltigkeit soll auf keinen Fall mit Entbehrung, mit Unangenehmen, mit Unbequemen in Verbindung gebracht werden. Sobald das Kind sagt das öko-Brot schmeckt nach „Pappadeckl“, ist die Ökologisierung gescheitert… Die Familie wird unbemerkt weniger Fleisch essen, dafür mehr regional-saisonal-bio. Wir machen gemeinsam (Hallo Gefühl der Mitbestimmung!) einen Wochenessensplan, um dem Lebensmittel-Wegwerfen vorzubeugen. Sie werden andere Materialien benutzen. Ich werde mehr leihen statt kaufen. Weniger Standby wird brennen. Mehr DB als MUC. Wir werden mehr über Umweltschutz sprechen, mehr Umweltschutz erziehen.

Was soll das bringen? Ist es nicht eh schon zu spät?

Waren wir noch stolz auf uns, allein weil wir die Umwelt-AG besuchten, kann man jetzt quasi gar nicht mehr stolz sein. Auf nichts. Stolz weicht Scham. Plötzlich gibt es so viel Scham – Flugscham, Fleischscham, Konsumscham. Eine nun Siebzehnjährige fragt die Welt „How dare you?“ Klimaradikalisierung, Klimanotstand, Klimakterium (besonders angstverbreitend!). Hilft es überhaupt noch, wenn ich versuche auf Plastik zu verzichten? Vor einigen Tagen wurde mir erklärt, dass in zehn Jahren die Welt untergehen wird – egal, was wir nun machen. Ich fand das sehr pessimistisch, bestürzend, traurig. Und abwegig. Möglicherweise verspürt der Erklärer schon jetzt wenig Lebensfreude und hat aufgegeben.
Aufgeben kommt für uns nicht in Frage, daher tun wir. Erst einmal ein bisschen. Dann ein bisschen mehr. Und dann noch viel mehr. Am Wichtigsten finde ich die Aufklärung. Warum soll man anders leben als bisher? Was gilt es zu schützen? Wo kann ich anfangen, wie weit kann ich gehen? Ich glaube, dass es wichtig ist den Kindern konkret zu zeigen, was Natur ist, wie sie auf uns wirkt, wie es ohne sie wäre. Wie riecht ein Wald? Was bringt eine saubere Isar? Warum ist eingeschränkter Energieverbrauch nicht nur für den Geldbeutel gut?

Wir versuchen die Natur mehr zu uns kommen zu lassen und mehr zur Natur zu kommen. Wenn man fühlt und begreift, was zu schützen ist, wenn man spürt, was zu bewahren ist, dann ist es einfacher zu verstehen. Und wenn man versteht, handelt man einfacher.
Unser Ziel ist es am Ende des Jahre mit Stolz statt Scham zurückblicken und sagen zu können: Wir haben viel gelernt. Wir haben viel getan. Wir haben verstanden.

Mami und Gör wird grün. So grün es eben geht…

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